Corona-App: Sinnvoll aber kein Allheilmittel

Veröffentlicht am 20.05.2020 in Kreisverband

Die Idee der sogenannten Corona-App ist einleuchtend. Man will dadurch Menschen warnen können, die sich längere Zeit in der Nähe eines Virusträgers aufgehalten haben und dadurch vielleicht selbst infiziert wurden. Man kann damit dann einfacher Ansteckungswege nachvollziehen und die Infektionskette durchbrechen. Die Idee wäre somit, dass man nach einem positiven Testergebnis sich in der App als Infektionsträger einträgt und die App das an alle anderen Smartphones weiter meldet, die in den Tagen vorher in der Nähe waren. Die können dann auch in Quarantäne gehen und testen lassen.

Klingt vernünftig, hat aber seine Tücken.

Eine solche App könnte so ausgestaltet sein, dass man daraus Bewegungsprofile aufnehmen kann. Das wäre Überwachungsstaat und das kann man auch in der jetzigen Situation nicht wollen. Es würde vor allem auch die Bereitschaft der Menschen stark reduzieren, da mitzumachen. Übertriebene Datenschutzängste im Angesicht der Pandemie? Eher nicht. Es ist bezeichnend, dass sich Axel Voss, Europaabgeordneter der CDU mit digitalpolitischer Überwachungsagenda, will schon „Vergünstigungen“ von der Nutzung der App abhängig machen. Appnutzer sollen dann ins Restaurant dürfen oder größere Reisefreiheit bekommen. Mir schaudert.

Die Bundesregierung hat sich in dieser Frage nun allerdings richtig positioniert. Es wird keine zentralen Server geben, auf denen alle Daten zusammen laufen. Nein, die Daten bleiben nur auf den Smartphones und eine ausgeklügelte Kommunikations­weise sorgt für Informationsweitergabe unter sehr hohen Sicherheitsstandards. Ich kann das hier nicht im Detail erläutern, es würde den Rahmen sprengen. Ich finde aber, die jetzt gefundene Lösung ist sehr gut und sicher und führt zumindest bei mir zu einer hohen Akzeptanz für eine solche App.

Aber auch jetzt sollte man eine solche App nicht als Allheilmittel sehen. Wie die Smartphones nämlich miteinander kommunizieren und „messen“, wie nahe sich die Telefoninhaber tatsächlich kommen oder gekommen sind, ist technisch ungeheuer schwer. Es gibt dafür nämlich keine wirklich maßgeschneiderte Technologie. Die einzig einigermaßen nutzbare Technik auf derzeitigen Geräten heißt Bluetooth. Nutzt man meist um kabellose Ohrenstöpsel zu verwenden und hat so seine Zicken. Ist vor allem nicht für Abstandsmessung gemacht und kann leicht versagen. Ein Smartphone, das gerade in der Hand gehalten wird, wird anders reagieren, als eines, das in einer Handtasche liegt, in der noch der Schlüsselbund und andere metallische Gegenstände sind. Und unabhängig von der Technik: Wenn ich das Ding daheim vergessen habe, dann wirds halt auch nicht gehen.

Fazit: Eine Corona-App ist ein sinnvolles Werkzeug für die Virusbekämpfung, weil sie schnell warnen kann. Sie ist datenschutzrechtlich sehr anspruchsvoll, aber es scheint eine Lösung gefunden zu sein. Die Technik ist kompliziert und fehleranfällig. Damit wird die App nie ein Allheilmittel sein können.

Oswald Prucker

 
 

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