Flüchtlinge sprachlich fördern

Veröffentlicht am 06.04.2019 in Kreisverband

Kreisdelegiertenkonferenz für Förderung des Vereins „Bildung für alle“

Nur einen stark eingeschränkten Zugang zu Sprach- und Integrationskursen haben Menschen aus sogenannten C-Ländern wie Gambia oder Afghanistan. Im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald machten sie ausweislich des 4. Integrationsberichtes 2018 den größten Teil der, wie es heißt, „Geflüchteten mit Aufenthaltsgestattung“ aus (731 Personen = 46 Prozent). Um so enttäuschender sei, dass der Landkreis Förderkurse für diesen Personenkreises kaum unterstützt, bemängelt die vor einem Jahr gegründete SPD-Arbeitsgemeinschaft „Migration und Vielfalt“. Zitat: „Der Kreis findet zwar viele warme Worte für das vielfältige ehrenamtliche Engagement, aber finanzielle Unterstützung fehlt weitgehend.“

Auch pocht die Arbeitsgemeinschaft (AG) vor diesem Hintergrund darauf, dass der Freiburger Verein „Bildung für alle“, der auf ehrenamtlicher Basis kostenlose Sprachkurse für unterschiedslos alle Geflüchtete anbietet, vom Landkreis Breisgau Hoschwarzwald finanziell gefördert wird. Die SPD-Kreistagsfraktion wurde in einem von Bernd Engesser (Foto) eingebrachten Antrag gebeten, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Auch gab die  AG der Fraktion mit auf den Weg, dass sie dafür eintreten möge, dass im Kreistag der Integrationsbericht öffentlich diskutiert werden soll.  Ein entsprechender Antrag wurde bei der Kreisdelegiertenkonferenz Ende März in Merzhausen bei zwei Gegenstimmen gutgeheißen.

Dass trotz aller Bemühungen ein erfolgreicher Abschluss nicht selbstverständlich ist, liege daran, dass in einer Ausbildung befindliche Flüchtlinge häufig nicht über ausreichende Sprachkenntnisse verfügten, um den Anforderungen der Berufsschulen zu genügen, wird in dem Antrag dargelegt.

Zu den sogenannten C-Ländern gehören Afghanistan, Pakistan, Gambia, Ägypten und Nigeria. Sie stellen laut Integrationsbericht mehr als zwei Drittel der Auszubildenden mit Fluchthintergrund im Kreis. Anders als Flüchtlinge aus sogenannten A-Ländern wie Iran, Irak, Eritrea, Somalia und Syrien haben sie keinen regulären Zugang zu Integrationskursen und ausbildungsbegleitenden Hilfen.

Abgemildert wird dieser Zustand dadurch, dass zwölf Gemeinden im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald sich frühzeitig auf den Zuzug von Flüchtlingen vorbereitet haben und anstehende Integrationsprozesse etwa durch eigene Flüchtlings- und Integrationsbeauftragte fördern, wie Thorsten Culmsee, Dezernent für Jugend und Soziales, im Vorwort zum Integrationsbericht erläutert.

Um so erstaunlicher ist es, so die AG „Migration und Vielfalt“, dass derzeit 35 Menschen aus diesen benachteiligten C-Ländern im Landkreis eine handwerkliche Ausbildung machen. Das seien 58 Prozent aller Auszubildenden mit Fluchthintergrund. Nur 27 Prozent stammten aus den privilegierten A-Ländern. Belegt werde dies auch durch die Zahlen der Industrie- und Handelskammer:  36 von 63 Geflüchteten befänden sich in Ausbildung (57 Prozent) und stammten aus Gambia und Afghanistan.

In Handwerk sowie Industrie und Handel gebe es aber ein Problem: eine unzureichende Ausbildungsförderung durch staatliche Stellen. Dabei könnten laut Handwerkskammer die Geflüchteten einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung des Fachkräftemangels in Deutschland leisten, insbesondere in Berufen, für die kaum noch deutsche Jugendliche zu motivieren sind, wie etwa dem Bäckerberuf.

Laut Kreisstatistik stellen junge Geflüchtete aus Gambia die weitaus größte Untergruppe dar, die in ein Ausbildungsverhältnis eingetreten ist (22 Personen). „Hier bleibt zu hoffen, dass geeignete und flexible Nachhilfemodule die bei vielen noch immer starken Defizite in der deutschen Sprache parallel zum Berufschulunterricht zu kompensieren vermögen“, erklärt die Arbeitsgemeinschaft. Sprachförderung auch für Geflüchtete aus C-Ländern sei „kein Almosen“, sondern „ein wichtiger Baustein einer zielführenden Wirtschaftsförderung“.

Für besonders unterstützenswert hält die AG in diesem Zusammenhang den im Integrationsbericht erwähnten Freiburger Verein „Bildung für alle“, der auf ehrenamtlicher Basis seit 2015 kostenlose Deutschkurse für „Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ anbietet, und zwar für Flüchtlinge aus allen Ländern. Durch die Einrichtung einer Kinderbetreuung haben Frauen unter den Schülern einen beachtlichen Anteil von 28 Prozent, „ein absoluter Spitzenwert“, wie betont wird.

Obwohl 69 Prozent der Schüler dieses Bildungsvereins im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald wohnen und nur 26 Prozent im Stadtkreis Freiburg, unterstütze Freiburg „Bildung für alle e. V“, der Landkreis hingegen nicht. Die SPD-Fraktion möge deshalb im Kreistag einen Antrag einbringen, den Verein „Bildung für alle“ mit einem jährlichen Zuschuss von 75.000 Euro aus den Mitteln des Landkreises zu fördern, wurde bei der Kreisdelegiertenversammlung mit großer Mehrheit entschieden.

Bernd Michaelis

 
 

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