Sozial, ökologisch und regional

Veröffentlicht am 12.05.2019 in Kreisverband

Betriebsbesichtigung: Die SPD Breisgau-Hochschwarzwald besucht die integrative Bioservice gGmbH in Eichstetten

Einen in zweifacher Hinsicht bedeutsamen Betrieb besichtigte jüngst die SPD Breisgau-Hochschwarzwald in Eichstetten: die Firma Bioservice Südbaden gGmbH. Das noch junge gemeinnützige Unternehmen bringt Behinderte auf den ersten Arbeitsmarkt und erleichtert als Dienstleister vielen Bauern ihr Geschäft: Gemüseaufbereitung und -verarbeitung sowie Kistenwäsche gehören zum Aufgabengebiet des integrativen Betriebs. Das Unternehmen unterstützt auch Landwirte und Winzer bei ihrer Arbeit draußen auf dem Feld und in den Reben.

Die Bioservice Südbaden gGmbH wirbt für sich mit den Prädikaten sozial, ökologisch und regional. Das kleine „g“  steht für „gemeinnützig“. Erst im November vergangenen Jahres konnte man den Betrieb beziehen und eröffnen. Zuvor beschäftigte Geschäftsführer Wolfgang Hees Menschen mit Behinderung aber bereits auf den Feldern einer Erzeugergemeinschaft von fünf regionalen Gemüsebauern, aus der dann die Bioservice gGmbH entstanden ist.

Integrative Betriebe sind Einrichtungen zur beruflichen Eingliederung von Menschen mit Behinderung, die noch nicht oder nicht wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können, aber ein gewisses Mindestmaß an Leistungsfähigkeit mitbringen und entsprechende Entfaltungsmöglichkeiten suchen. Bedeutend im konkreten Fall ist dies: Menschen mit Behinderungen sind bei der Bioservice Südbaden im einem geschützten regulären Arbeitssektor beschäftigt. „Hier können sie einer sinnvollen, erfüllenden Arbeit nachgehen“, sagte die SPD-Kreisvorsitzende Birte Könnecke.

In dem Unternehmen arbeiten Menschen mit Behinderung Hand in Hand mit nicht behinderten Arbeitnehmern. Derzeit zählt die Firma fünf fest angestellte junge Männer mit Schwerbehinderung, fünf Praktikanten sowie vier Mitarbeiter ohne Schwerbehindertenausweis. Weiter zählen zwei Anlagenführer - einer für die Kistenwaschanlage und einer für die Gemüsewaschanlage - zum Stammpersonal.

Das Besondere auch hier: Anders als in herkömmlichen Werkstätten bekommen die Behinderten in diesem Betrieb kein Taschengeld, sondern den Mindestlohn.

Geschäftsführer der Bioservice Südbaden gGmbH ist der zur Ausbildung von Lehrlingen berechtigte Landwirtschaftsmeister Wolfgang Hees. Er ist ein erfahrener Mann, war der gelernte Agrarethnologe und Geograph doch früher 16 Jahre lang als Lateinamerika-Referent bei Caritas International tätig.

Unter seiner Regie hatten sich in Eichstetten fünf Biobauern mit Feldgemüseanbau aus der Region zusammengeschlossen - zunächst allerdings nur als Erzeugergemeinschaft, die lediglich eine neue Möglichkeit zum Gemüsewaschen suchte, weil dieses Geschäft auf kleinen Höfen eher aufwändig und mühselig ist, wie Wolfgang Hees bei der Betriebsbesichtigung erläuterte.

So war denn der Ursprung der Firma zunächst ganz praktischer Natur:  Waschen von Wurzelgemüse und Gemüsekisten in industriellem Maßstab. In den Hallen eines vormaligen metallverarbeitenden Betriebs entstand die Bioservice Südbaden gGmbH. Ein Glücksfall dabei: Auf Hees’ Vorschlag hin griffen die beteiligten Landwirte mit großer Zustimmung die Idee auf, dieses Projekt mit dem sozialen Aspekt einer Inklusion von Menschen mit Behinderung zu verbinden.

Bei der Bioservice erledigt seither das Waschen auf komfortable Weise eine großtechnische Anlage, die nach händischem Entfernen des gröbsten Schmutzes eine Kiste nach der anderen aufnimmt, diese über Förderbänder Schritt für Schritt weiter befördert und ein paar Meter weiter gesäubert wieder ausspuckt. So werden an die 500 Kisten stündlich in einer Weise gereinigt, dass sie den Hygiene-Maßstäben des international verbindlichen Qualitätsmanagement-System für Lebensmittel HACCP (Hazard Analysis and Critical Control Points) genügen. 2019, so die Prognose, sollen über 800 000 Kisten verarbeitet werden. Auf der zweiteiligen Maschine lassen sich darüber hinaus rund 80 Wurzelgemüse-Sorten waschen, sortieren und verpacken. Geschätzte 1000 Tonnen Gemüse werden es in diesem Jahr sein.

Ganz neu ist die so genannte „Schnibbelküche“. Dort verarbeitet eine nagelneue Bandschneidemaschine aus polnische Produktion optisch unverkäufliche Ware für die Schulverpflegung und Gastronomie. Die Aktion Mensch und der Kommunalverband Jugend und Soziales haben bei der Anschaffung der Apparatur finanziell geholfen.

Ein gemeinnütziger integrativer Betrieb wie die Südbaden Bioservice gGmbH bedarf einer breiten Unterstützung. Nach langer Suche stieg die Reha Südwest als Partner mit ein, der, so Wolfgang Hees, „uns viel Bürokratie und Verwaltung“ abnimmt „und uns fachlich berät“.  Dieser gemeinnützige private Träger der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg, der selbst viele weitere Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen unterhält, ist Hauptgesellschafter der Bioservice gGmbH.

Weitere Gesellschafter sind die Erzeugergemeinschaft Biogemüse Südwesten und der gegenüber liegende Großhändler Naturkost-Rinklin. Mit der Eduard-Spranger-Schule aus Emmendingen-Wasser ging Geschäftsführer Wolfgang Hees ebenfalls eine Kooperation ein. Von dort kamen bereits mehrere Praktikanten nach Eichstetten. Mit an Bord ist darüber hinaus der Integrationsfachdienst als Berater. Dieser beteiligt sich auch an den Löhnen.

Bernd Michaelis

 
 

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