„Zukunft Schule - Schulpolitik in Baden-Württemberg“

Veröffentlicht am 13.06.2018 in Kreisverband

Andreas Stoch, unser Fraktionsvorsitzender in Stuttgart und Kultusminister a.D., kam nach Breisach um über die aktuelle Situation an den Schulen in Baden-Württemberg zu berichten. Birte Könnecke freute sich, dass rund dreißig Interessierte den durch die Baustelle rund um den Markplatz etwas schwierigen Weg auf den Münsterberg gefunden haben.

Zu Beginn seines Impulsvortrags stellte Stoch klar, dass er nicht alle Aspekte ausführlich abhandeln kann und dass er deshalb exemplarisch bleiben wird. Seine große Klammer war aber, dass das Thema Bildung oft zu sehr auf das Thema Schule verkürzt wird. Mindestens ebenso wichtig ist die frühkindliche Bildung und nach Schule und Berufsausbildung ist im Zeitalter rasanter Entwicklungen auch nicht Schluss.

Vor diesem Hintergrund ist es natürlich ein Problem, dass Deutschland rund 20 Milliarden Euro pro Jahr weniger für Bildung ausgibt, als dies der Durchschnitt der OECD-Staaten tun. Das passt nicht mit der Tatsache zusammen, dass die Fähigkeiten unserer Menschen unser einziger Rohstoff sind und steht gegen die allfällige Aussage, nach der Kinder unsere Zukunft wären.

Gesellschaftlich gesehen haben wir das Problem, dass die Kinder mit stark unterschiedlichen Voraussetzungen eingeschult werden. "Da gibt es manche, die kaum den Stift halten können und andere, die schon Grundzüge des Schreibens beherrschen oder im Zahlenraum bis 100 rechnen."

Das auszugleichen ist schwer und in der Schule setzt man zu spät an. Hier ist frühkindliche Bildung gefragt, denn viele Lernprozesse greifen bereits in sehr jungem Alter - auch ohne Tafel. Nur so kann man dem Artikel 11 der Landesverfassung gerecht werden, nach dem jedes Kind unabhängig von der finanziellen Situation die gleichen Bildungschance haben soll.

Das ist derzeit nicht so. Und das ist auch eine Folge der frühen Trennung der Kinder im dreigliedrigen Schulsystem. Die Eltern stimmen dabei mit den Füßen ab: Gymnasien und Realschulen wachsen, die Hauptschule wurde zwar in Werkrealschule umbenannt, aber ist dennoch auf dem absteigenden Ast. Dem versuchte grün-rot mit der Gemeinschaftsschule entgegenzuwirken und es ist falsch, dass diese Reform nach hanebüchenen Zerrbildern seitens der Schwarzen nun rückabgewickelt wird. Dabei bedauerte Stoch besonders, dass sich die Grünen komplett aus der Schulpolitik herausgezogen haben und das Feld den Schwarzen überlassen.

Ähnliches gilt für die Ganztagsschule. Auch dagegen wehrt sich die Union systematisch. Ein Schulversuch dazu wurde so eingerichtet, dass Problemschulen Ganztagsschule wurden. Für die CDU sind Ganztagsschulen also ein Problem. Sprachpanscherisch nennen sie es immerhin Brennpunktschule. Die Eltern wollen zwar eine Ganztagsbetreuung aber nach der CDU soll das freiwillig bleiben. Das heißt dann, dass der Unterricht morgens komprimiert bleibt und nachmittags wird so irgendwie betreut. Ein pädagogisch wünschenswerter rhythmisierter Ganztagesunterricht ist das nicht. Dafür muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.

In der sich anschließenden herzhaften Diskussion wurde ebenfalls die frühkindliche Bildung thematisiert und deren Bedeutung hervorgehoben. Es sollte mindestens ein verpflichtendes und kostenfreies letztes Kindergartenjahr geben. Ebenso müssen die Grundschulen gestärkt werden und vor allem die Lehrkräfte. Deren Bezahlung ist lausig und in der Folge findet man kaum noch Schulleiterinnen.

So manch unterschiedliche Sichtweise zwischen den Diskutierenden kam auch zum Vorschein: Während dem einen eine bildungspolitische Vision gefehlt hat, forderten die anderen weniger "Herumdoktern" an der Schule. Letztlich ist wohl beides richtig und eine Frage des richtigen Maßes. Ein gerüttelt Maß ordentliche Projektbetreuung hätte wohl auch die Bildungsplattform "Ella" benötigt. Stattdessen hat Kultusministerin Eisenmann und ihr Ministerium dieses erste eigene Projekt mit hoher Geschwindigkeit gegen die Wand gefahren.

Oswald Prucker

 
 

Homepage SPD Kreisverband Breisgau-Hochschwarzwald

Jetzt Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden

Wir auf Facebook

News

19.03.2019 20:09 Wir brauchen flächendeckende und leistungsfähige Mobilfunknetze
Die SPD-Bundestagsfraktion schlägt ein Bundesförderprogramm Mobilfunk vor, um die Regionen zu versorgen, in denen sich Investitionen für Telekommunikationsunternehmen finanziell nicht rentieren. Dort, wo der Marktausbau versagt, muss der Staat eingreifen und für die Infrastruktur Sorge tragen. Nur so können die sogenannten weißen Flecken geschlossen werden. „Noch immer gibt es zahlreiche Funklöcher in Deutschland. Ursächlich hierfür

18.03.2019 15:16 ASF – Frauen verdienen mehr!
Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischen Frauen (ASF) Maria Noichl erklärt: Wie in jedem Jahr bedeutet dieses Datum, dass Frauen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen bis zu diesem Tag umsonst gearbeitet haben. Bedingt wird dies durch einen nach wie vor bestehenden Gender Pay Gap von 21 Prozent in Deutschland, einem der größten in der ganzen

15.03.2019 07:31 AG Selbst Aktiv begrüßt die Einigung der Regierungskoalition zum Wahlrecht für Menschen mit Behinderungen
Anlässlich der Einigung der Koalition erklärt der Vorsitzende von Selbst Aktiv Karl Finke: Das Bundesverfassungsgericht hatte mit seinem Urteil vom 29. Januar 2019 die Aufrechterhaltung von Wahlrechtsausschlüssen für Menschen, die unter Vollbetreuung aller Angelegenheiten stehen, für verfassungswidrig erklärt. Dies gilt auch für Straftäter, die wegen Schuldunfähigkeit in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus untergebracht sind. Die Karlsruher

13.03.2019 20:29 „Europa muss politischer werden“
Exklusiv-Interview mit Vizekanzler Olaf Scholz Der Bundesfinanzminister erläutert für spdfraktion.de das sozialdemokratische Konzept eines sozialen Europas und begründet, weshalb eine Reform des Sozialstaates notwendig ist. Das ganze Interview auf spdfraktion.de

10.03.2019 21:19 Achim Post zum „Europa-Konzept“ der CDU-Vorsitzenden
Echter Fortschritt für ein starkes und gerechteres Europa sieht anders aus. Kramp-Karrenbauers Antwort auf Macron lasse jeden sozialen Gestaltungsanspruch für Europa vermissen, kritisiert SPD-Fraktionsvize Achim Post. Dabei seien europäische Mindestlöhne Teil des Koalitionsvertrages. Frau Kramp-Karrenbauers Antwort auf Präsident Macron ist in vielen Punkten schlicht und einfach eine Absage. Echter Fortschritt für ein starkes und gerechteres Europa

10.03.2019 20:19 Christian Lindner klimapolitisch in Steinzeit zurück gefallen
FDP-Chef Christian Linder habe nicht verstanden, dass die Wirtschaft beim Klimaschutz Planungssicherheit braucht, kritisiert SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch. Die Klimaproteste seien richtig und notwendig. Keine zwei Jahre ist es her, dass Christian Lindner noch „neu denken wollte“ und proklamierte, nicht Aktenkoffer, sondern Schulranzen würden die Welt verändern. Heute ist er offenbar wieder in die Steinzeit zurück gefallen. 

08.03.2019 20:23 „STERNSTUNDE“ – MÄRZ-NEWSLETTER DER EUROPA-SPD
#Aufschrei oder #MeToo zeigen nur die Spitze des Eisbergs Am Weltfrauentag wird von Kritikern bezweifelt, dass ein solcher Tag nach wie vor nötig ist. Dabei sind Frauen täglich mit fehlender Gleichstellung konfrontiert: Debatten wie #Aufschrei oder #MeToo haben in der Vergangenheit das Ausmaß von Belästigung und Diskriminierung deutlich gemacht, dem Frauen in unserer Gesellschaft nach

Ein Service von websozis.info