Das Klimapäckchen – das Los des kleineren Koalitionspartners

Veröffentlicht am 27.09.2019 in Bundespolitik

Enttäuschung! Sehr viel weniger als gewünscht, weniger als notwendig. Die im Bundeskabinett beschlossenen Maßnahmen sind unzureichend. Keine Frage.
Aber warum bekommt die SPD dafür die Prügel? Die SPD hat die sinnvollen Elemente des Pakets überhaupt erst durchgesetzt!


Ja, es gibt Sinnvolles im Klimapäckchen.


Das wichtigste ist keine konkrete Maßnahme, sondern ein Kontrollinstrument: das Klimapaket soll zu einem Klimagesetz führen. Damit werden unverbindliche Versprechungen zu Vorschriften, die verbindlich einzuhalten sind. Und die Einhaltung der vorgeschriebenen Werte wird auf Druck der SPD jedes Jahr für jeden Sektor, also auch für die Bereiche Wohnen und Verkehr getrennt von externen Experten überprüft. Wer die Ziele nicht erreicht, muss nachsteuern. Damit könnten viele Forderungen der SPD in den nächsten Jahren dann von zögerlichen Unionsministern doch noch umgesetzt werden müssen.


Ein Erfolg der SPD, die allerdings darum kämpfen muss, dass dieses Kontrollinstrument in der vorliegenden Schärfe auch nach der Beratung im Bundestag und im Bundesrat nicht verwässert wird.


CO 2 bekommt jetzt endlich einen Preis, allerdings viel zu niedrig und erst ab 2021. Mehr war allerdings nicht machbar, die CDU/CSU blockte ab. Und auch die Ausgleichsmaßnahme in Form der Pendlerpauschale ist unwirksam und unsozial. Je mehr jemand zu versteuern hat, umso mehr profitiert er von der Pendlerpauschale. Menschen mit geringem Einkommen haben nichts davon.
Das deutlich sozialere und vor allem wirkungsvoller Instrument der Klimaprämie wurde von der Union abgelehnt.


Dabei wäre dies eine Möglichkeit gewesen, das Vertrauen der Menschen in die Politik wieder zu stärken. Die Vorteile, sich klimafreundlich zu verhalten, hätte jeder verstanden, wenn jeder in Deutschland Lebende, vom Neugeborenen bis zum Greis, zum 1. Januar 2020 vorab eine Gutschrift von 100 € erhalten hätte und ab gleichem Datum eine CO 2 -Abgabe von 80 € pro Tonne CO 2 berechnet worden wäre. Jeder der wenig verbraucht, hätte damit sogar einen Geldvorteil gehabt.


Eine Riesenchance durch den Widerstand der Union vergeben.

Erreicht wurden Verbesserungen beim Ausbau der erneuerbaren Energien: der Deckel beim Zubau von Photovoltaikanlagen fällt ganz weg. Leider wird er bei On-Shore-Windkraft nur erhöht und
gleichzeitig werden strengere und unflexiblere Abstandsregelungen von 1.000 Metern zu Wohngebieten festgeschrieben. Zu Misch-, Gewerbe und Industriegebieten gelten diese Vorschriften dank der SPD aber nicht.

Rund ein Drittel des deutschen CO 2 - Ausstoßes stammt von Gebäuden. Hier sind im Klimapäckchen eine ganze Reihe vernünftiger Maßnahmen enthalten. Allerdings ist dieses Segment sehr träge. Niemand wird beispielsweise eine funktionieren Heizungsanlage sofort austauschen, nur weil es Zuschüsse gibt. Aber die Richtung in diesem Segment stimmt.


Die meiste Kritik verdient der Bereich Verkehr. Schön, dass die Bahn endlich die Gelder zurück bekommt, die ihr seit Jahren vom Bund vorenthalten, ja sogar entzogen wurden. Schön, dass die
Fahrpreise sinken sollen. Aber der Ausbau des Schienennetzes dauert, viele Züge sind jetzt schon überfüllt. Die Bahn wieder attraktiv zu machen ist eine Generationenaufgabe. Sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr.

Beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs wird die Bedeutung guter Buslinien und alternativer Verkehrssysteme besonders auf dem Land nicht ausreichend berücksichtigt. Und warum wird das
365 €-Jahresticket für den ÖPNV nur in 10 Städten erprobt?


Positiv ist die Veränderung bei der KFZ-Steuer und bei der LKW-Maut. Ein Tempolimit 120, 80, 30 km/h, das zwar nur überschaubare Reduktionen von CO 2 bewirken würde, dafür aber nichts kostet, Lärm verringert und die Verkehrssicherheit erhöht, hält der CSU-Verkehrsminister aber für „bescheuert“.


Leider bleibt es bei der unsinnigen Dieselsubventionierung. Diese betrug alleine 2017 8,3 Mrd. €. Für den Ausbau der E-Mobilität wurden von 2009 bis 2017 insgesamt 5,3 Mrd. ausgegeben. Würden die Gelder der Dieselsubventionierung vollständig in den Ausbau der E-Mobilität gesteckt, hätten
wir sehr schnell ein attraktives Nutzungsumfeld für E-Mobile.


Damit diese aber wirklich umweltfreundlich sind, muss deutlich schneller aus der Kohleverstromung ausgestiegen werden als jetzt vorgesehen. Dies ist möglich, wenn das Potential der erneuerbaren Energien besser genutzt wird. Beispielsweise könnten Verkehrsflächen (Parkplätze und Straßen) mit PV-Modul-Trägersystemen überbaut werden, wodurch riesige Flächen zur Verfügung stünden. Damit die gewonnene Energie gespeichert werden kann, müssten Speichersysteme (Akkumulatoren, Elektrolysatoren) eingesetzt werden. Hier wären Fördergelder des Bundes notwendig und schnell wirksam.


Elektromobilität bietet sehr gute Wirtschaftsperspektiven. Die europäische Kommission sieht ein Wertschöpfungspotential der Batterietechnologie und E-Mobilität von 259 Mrd. € pro Jahr und
einen Bedarf von 3 Millionen Arbeitsplätzen in Europa.


Leider verhindert das unsinnige Festhalten an der „schwarzen Null“ die dafür notwendigen Investitionen. Investitionen, die sich innerhalb überschaubaren Zeiträumen refinanzieren würden.


Aber das alles ist mit der Union nicht zu machen.


Wie schwierig es ist, gegen den großen Unionsblock in einer Koalition etwas zu erreichen, mussten übrigens auch die Grünen bei den wegen der FDP gescheiterten Koalitionsgesprächen erleben. Das was die Grünen im Entwurf des Koalitionsvertrags festschreiben konnten, war weniger als das, was die SPD jetzt erreicht hat.


Es ist dringend Zeit, Regierungsmehrheiten jenseits der  CDU/CSU zu erreichen!


27.09.2019, Dagmar und Bernd Engesser

(Foto von Pixabay User Geralt)

 
 

Unterstützen!

Wir freuen uns immer über Spenden für unsere Veranstaltungen, Aktionen und naürlich unsere Zeitung!  

IBAN DE49 6809 0000 0027 5001 02   

Danke für die Solidarität!

Jetzt Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden

News

30.03.2026 18:07 Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken
Eine verlängerte Nutzung von Kohlekraftwerken nach 2038 wäre weder notwendig noch sinnvoll Die Erneuerbaren sind die sauberste, sicherste und kostengünstigste Form der Erzeugung.  Es bedarf allerdings nun auch des entschlossenen Willens der Koalition und der federführenden Bundeswirtschaftsministerin, die gesetzlichen Hebel weiter auf eine systemische Umstellung zur Nutzung Erneuerbarer Energien zu stellen. „Eine verlängerte Nutzung von… Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken weiterlesen

25.03.2026 17:51 Jakob Blankenburg zum Klimaschutzprogramm
67 Maßnahmen, sieben Ministerien, ein Klimaschutzprogramm Die aktuelle Weltlage mit Konflikten, die sich massiv auf unsere Energieversorgung auswirken, zeigt eindeutig: Wir müssen schnell unabhängig von fossilen Energieträgern werden. Das heute von Bundesumweltminister Carsten Schneider vorgelegte Klimaschutzprogramm zeigt einen fairen Weg zur Erreichung der Klimaziele 2030 sowie für mehr Versorgungssicherheit auf. „Dieses Klimaschutzprogramm ist für die… Jakob Blankenburg zum Klimaschutzprogramm weiterlesen

25.03.2026 17:50 Eine notwendige strategische Perspektive für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts
Ich begrüße die Impulse von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ausdrücklich. Deutschland steht an einem Wendepunkt. Wir brauchen ein neues Wirtschaftsmodell: eines, das konsequent auf Innovation setzt, technologische Führerschaft ermöglicht und zugleich dafür sorgt, dass Wohlstand in der Breite der Gesellschaft ankommt. „Innovation und Gerechtigkeit sind die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und breiten Wohlstand in Deutschland. Deshalb… Eine notwendige strategische Perspektive für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts weiterlesen

11.02.2026 21:41 Dagmar Schmidt zum Behindertengleichstellungsgesetz
Barrierefreiheit nützt uns allen Die Bundesregierung treibt die Barrierefreiheit voran: Das Kabinett hat am Mittwoch eine Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes auf den Weg gebracht. SPD-Fraktionsvizin Dagmar Schmidt spricht von einem wichtigen Schritt. „Der Gesetzentwurf zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes bedeutet einen wichtigen Schritt hin zu einer inklusiveren Gesellschaft. Er stärkt die Rechte von Menschen mit Behinderungen und… Dagmar Schmidt zum Behindertengleichstellungsgesetz weiterlesen

11.02.2026 21:39 Stefan Zierke zur Entwicklung im Deutschlandtourismus
Rekord im Tourismus – Strategie, gute Arbeit und verlässliche Politik zahlen sich aus Stefan Zierke, tourismuspolitischer Sprecher: Der Deutschlandtourismus erreicht mit 497,5 Millionen Gästeübernachtungen einen neuen Rekord. Klare Strategie, engagierte Beschäftigte und verlässliche Politik sorgen für Wachstum, stärken die Betriebe und sichern gute Arbeit – für einen wirtschaftlich starken, sozial gerechten und nachhaltigen Tourismus in allen… Stefan Zierke zur Entwicklung im Deutschlandtourismus weiterlesen

19.01.2026 18:25 „Startups fördern, Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken“
Parlament will EU-weite Unternehmensgründung binnen 48 Stunden ermöglichen weiterlesen auf spdeuropa.de

13.01.2026 10:25 Armand Zorn zum Handelsabkommen mit Indien
Handelsabkommen mit Indien schnell finalisieren Mit dem Mercosur-Abkommen wird ein bedeutender Schritt für offenen und fairen Welthandel gesetzt – doch das ist erst der Anfang. Deswegen unterstützen wir den Dialog zwischen Bundeskanzler Merz und dem indischen Premierminister Modi und sprechen uns für eine möglichst schnelle Finalisierung des Handelsabkommens mit Indien aus. „Die Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens… Armand Zorn zum Handelsabkommen mit Indien weiterlesen

Ein Service von websozis.info