Fragen an den Kirchzartener Bügermeister Hall im Zusammenhang mit der Neuvermietung des Kurhauses ab 1. Mai 2020

Veröffentlicht am 15.05.2020 in Kommunalpolitik

GemR Sitzung Kurhaus 14.5.2020

Gestern, am 14. Mai 2020, fand die Kirchzartener Gemeinderatssitzung im Kurhaus statt. Auf der Tagesordnung stand auch die Bekanntgabe der Neuvermietung des Kurhauses an die Black Forest Film Studios ab dem 1. Mai 2020. Bereits in der Vergangenheit wurde, unter anderem auch im Kommunalwahlkampf 2019, heftig um die Zukunft des Kurhauses gestritten, ein möglicher Investor wurde seitens des Gemeinderates abgelehnt. Nun also die doch eher plötzliche Neuvermietung an die Film Studios, wir hatten dazu auch schon ein Statement der SPD-Fraktion gepostet.

Auf der gestrigen Sitzung haben Marlene Greiwe und Bernd Engesser vom OV dann noch folgende Fragen an den Bürgermeister Andreas Hall gestellt. Diese wurden leider nicht beantwortet, Herr Hall bat darum, diese per Mail zu erhalten und wird in der kommenden Sitzung am 28. Mai 2020 darauf antworten.

Fragen von Bernd Engesser zur Vermietung des Kurhauses:
Beim Pachtinteressenten des Jahres 2019 wurde intensiv und monatelang sowohl sein Unternehmen als auch sein Wirtschaftsplan für das Kurhaus geprüft.
Es wurde sogar ein externes Gutachten angefordert. Beim Pachtinteressenten 2020 ging das deutlich schneller: laut Aussage eines Gemeinderats fand ein ersten privates Treffen am Küchentisch am 07. Januar statt. Im Ratsinformationssystem Kirchzarten ist eine Beschlussvorlage vom 21.02.2020 hinterlegt mit der Empfehlung, den neuen Vertrag anzunehmen. Das war übrigens vor dem Corona-Shutdown, der jetzt als Grund für die fehlende Information der Öffentlichkeit herhalten muss.
Gerade einmal 46 Tage lagen zwischen den ersten Kontakt und dem Beschlussvorschlag.
46 Tage in denen alles so geprüft wurde wie beim vorherigen Interessenten?
Ein externes Gutachten war wohl nicht nötig, da der Grüne Gemeinderat Drescher vor einigen Jahrzehnten mal als Fernsehtechniker gejobbt hatte und deshalb die Branche ja kennt.
Und auf die lästige Öffentlichkeitsinformation konnte man ja auch verzichten.
Herr Bürgermeister. Ich frage Sie:
1. Wie erklären Sie diese unterschiedliche Vorgehensweise?
2. Wie schafften Sie in so kurzer Zeit, eine Bewertung eines Unternehmens, das zu dem Zeitpunkt gerade einmal knapp 9 Monate bestand? Also kürzer, als die Prüfung des vorherigen Interessenten dauerte.
3. Wie schafften Sie es die Liquiditätsplanung und den  Wirtschaftsplan in dieser kurzen Zeit umfassend zu prüfen?


Fragen von Bernd Engesser zu den Haushaltsauswirkungen:
Betrieb und Unterhalt des Kurhauses belasteten den Haushalt der Gemeinde in den letzten Jahren stark.
1. Welche Auswirkungen hat die Verpachtung konkret für den zukünftigen Gemeindehaushalt?
Als Folge von Corona steht die Kulturbranche stark unter Druck.
2, Welche Auswirkungen auf den Haushalt der Gemeinde hätte ein wirtschaftliches Scheitern des neuen Pächters?

Fragen von Marlene Greiwe zur Art und Weise der Kurhausentscheidung:
Die Verwaltung und die Ratsfraktionen versprachen nach der letzten Kommunalwahl der Bevölkerung recht einstimmig zukünftig mehr Transparenz bei den Entscheidungsfindungen. Das ist natürlich insbesondere bei großen und die Gemeinde und das Ortsbild prägenden Entscheidungen wichtig.
Bei der nun beschlossenen Neuverpachtung wäre Transparenz und Beteiligung der Öffentlichkeit durchaus möglich gewesen. Die Verhandlungen begannen meines Wissens im Januar lange vor den Einschränkungen durch Corona. Außerdem hätte man seitens der Verwaltung über das Internet, das Gemeindeblättle und weitere Presse informieren können und der Bevölkerung die Möglichkeit geben können, sich bei Fragen an die Verwaltung zu wenden. Das ist sogar in Zeiten von Einschränkungen möglich.
Außerdem handelt es sich um einen Vertrag mit langer Laufzeit der sich nicht unerheblich auf die Gemeindefinanzen auswirkt und bei dem Kurhaus um eine Immobilie von großer Bedeutung für die Gemeinde, zum Beispiel für die Vereine. Genauso wichtig ist auch die Stadtentwicklung im gesamten Kurgebiet.
 Hier ist meines Erachtens das Umlaufverfahren die falsche Wahl gewesen und es hätte öffentlich verhandelt werden müssen, da es sich nicht um einfachen Mieterwechsel handelt.
1. Wie lässt sich die versprochene Transparenz nun mit der intransparenten Entscheidung im Umlaufverfahren bei der Neuverpachtung des Kurhauses vereinbaren bei der es keinerlei Information und Beteiligung der Öffentlichkeit gab?
2. Wann und wie werden die Einwohner Kirchzartens über die Hintergründe und Folgen dieser Entscheidung umfassend und dauerhaft informiert?

Fragen von Marlene Greiwe zur Neugestaltung, zum Gesamtkonzept und zu konkreten Vertragsinhalten:
1. Sind bauliche Veränderungen im und rund um das Kurhaus zu erwarten? Wenn ja, welcher Art?
2. Wer trägt die zu erwartenden Instandhaltungen für Dach und Fach, die ja vermutlich nicht unerheblich sind und in der Regel vom Vermieter getragen werden? (Hierzu hat Herr Hall bereits Stellung genommen, die Aufwendungen für Instandhaltungen "Dach & Fach" trägt der neue Mieter)

3. Welches Betriebskonzept soll im Kurhaus umgesetzt werden?
4. Von der Verwaltung und den Gemeinderatsfraktionen wurde versprochen, ein Gesamtkonzept für die Entwicklung des Gesamtbereichs rund um das Kurhaus vorzulegen, das Nutzung, Verkehr (insbesondere Parken) und Bebauungsart umfassen sollte.
Liegt ein solches Konzept vor oder erfolgte die Neuverpachtung konzeptlos?
5. Wenn kein Konzept vorliegt, wann ist mit einem solchen zu rechnen und wie soll die Bevölkerung und der neue Mieter in die Konzepterstellung eingebunden werden? Gibt es einen Zeitplan? Dies gilt auch für den Wohnhof 5.

 

 
 

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